Kritik zum Schwetzinger Konzert mit Maurice Steger

Unglaubliche Biegsamkeit des Klangs

Eine Klasse für sich: Das Barockorchester “La Folia” mit Flötist Maurice Steger überzeugte sein Auditorium im Mozartsaal des Schlosses unter anderem mit Werken von Arcangelo Corelli vollauf. Die Gäste des Konzerts waren von den Darbietungen begreiflicherweise begeistert.

Dem Barockorchester “La Folia” und einem Virtuosen wie Maurice Steger ist es zu verdanken, dass mit alter Musik die Faszination aus fernen Zeiten bis in unsere heutigen Ohren dringt.
Das Konzert mit dem jungen Barockensemble und dem Solisten auf der Blockflöte, dem Holzblasinstrument, erfüllte am Freitagabend höchste Erwartungen. Und es lässt sich ohne Übertreibung sagen: Das war barocke Kammermusik vom Feinsten, die man im Mozartsaal zu hören bekam, geleitet von einer unglaublichen Musizierlust und einer Intensität des Dialogs, wie man ihr nur selten begegnet.

Eintauchen in musikalischen Fluss

Gleich von Beginn an tauchte man ein in den musikalischen Fluss des Abends, ganz von Arcangelo Corelli (1653 – 1713) bestimmt, lauschte gebannt der Biegsamkeit des Klangs und der in die Melodie- und Begleitlinien eingebauten Ornamentik.

Mit Spannung folgte man dann den Geschichten, welche die Instrumente einander in Corellis Sonaten für Streicher, in seinen “Concerto” für Blockflöte oder Flautino erzählten. Das Publikum erfährt von Maurice Steger, dass Corelli Anfang des 18. Jahrhunderts der Liebling der Londoner Gesellschaft war, trotzdem dieser nie englischen Boden betreten hat.

Seine Violinsonaten trafen jedoch genau den Geschmack der Zeit, so dass sie als Grundlage für verschiedene Bearbeitungen dienten. Viele Komponisten verwendeten seine Musik und drückten ihr mit Variationen und Ornamentierungen ihren eigenen Stempel auf. Francesco Geminiani (1687 – 1762) zum Beispiel schrieb Corellis “La Folia” zu einem Concerto grosso um. Diese wunderbare Musik brachte der Gast des Abends nach originalen und handschriftlich überlieferten Umschreibungen zum Klingen. Mit feinsinnigem Humor zaubert Maurice Steger schnelle, spritzige, feurig bewegte Töne aus der Blockflöte hervor.

Spielfreude und gute Laune 

Er ist mit vollem Körpereinsatz dabei, mit Bewegungen, die sein Gespür für Witz, seine Musikalität unterstützen.

Das gefiel, begeisterte auch die ganz jungen Zuhörer. Dazu bestritt das Barockorchester “La Folia” unkonventionell lebendig Corellis Kompositionen, es steckte das Publikum förmlich mit seiner Spielfreude und guten Laune an. Auch die Eigenheiten jedes einzelnen Instruments des Ensembles kamen äußerst prägnant zum Ausdruck – der Violine, mit außergewöhnlicher Virtuosität von Robin Peter Müller und Vladislav Belopukhov gespielt, der Viola, deren weicher Klang Pia Grutschus zur Geltung brachte, des Violoncellos, meisterhaft bedient von Jonathan Flaksman, des Kontrabasses, mit dem Sophia Scheifler den angenehmen klanglichen Hintergrund gestaltete, des Cembalos, in beglückender Weise zart in den Gesamtklang integriert von Manuel Dahme, der Theorbe und Laute, bei denen Vanessa Heinisch die Stärke der leisen Töne bewies -, zusammen klangen sie jedoch beeindruckend homogen und trotzdem immer wieder überraschend neu. Dass sie nicht nur Corelli spielen können, bewiesen der Blockflötist und das Barockorchester mit der Zugabe “La Notte” von Vivaldi.

Die Schönheit der Nacht, in der auch unbekannte Gefahren lauern, hat der Komponist wunderbar in Musik umgesetzt.

Da sind zum einen die herrlich verspielten, atemberaubenden Blockflötentöne des Solisten Steger, zum anderen die aufgewühlten rauen Streicherklänge. Für diese wirklich virtuose Darbietung spendet das begeisterte Publikum herzlichen Applaus.