Presse

BADISCHE ZEITUNG

MUSIKALISCHES DREAMTEAM

Würde das Folgende ein Bericht für die Sportseite der Zeitung, wäre jetzt zu schreiben: Er und seine Mitspieler, die Robin Peter Müller um sich versammelt hat, bilden ein Dreamteam, also eines dieser bewundernswerten Ensembles, dessen innere Abläufe so automatisiert und perfektioniert sind, dass die Individualität eines jeden Spielers restlos aufgeht im Spiel und Geist des Teams. Nun ist für die Kulturseite zu schreiben, also neuer Beginn. Das Barockorchester “La Folia”, das Robin Peter Müller vom ersten Pult aus leitete, spielte am Donnerstag Kompositionen von Giuseppe Samartini, Antonio Vivaldi, Francesco Geminiani und Domenico Sarri.

Es ist die italienische Instrumentalmusik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der um 1720 ein Stilwandel einsetzte, der mutig weg vom Barock in so Wiener Klassik führte. Was, bei aller Unterschiedlichkeit, diese Musiken miteinander verbindet, ist, dass es sich bei Ihnen, wie Carl Dahlhaus schrieb, ” pointiert ausgedrückt, um untereinander fast beziehungslose Experimente eines im wesentlichen gemeinsamen Arsenals von Formen und Strukturprinzipien” handelt.

Was die Kompositionen unterscheidet, ist das Maß der Einfälle und Überraschungsmomente sowie die Kunst, damit die Zuhörer immer wieder erneut zu entzücken und zu verführen, wobei bis an die Grenze der Spiel gesteigerte virtuose Kapriolen eine wesentliche Rolle spielen. Italianitá, auch tönende, das war seinerzeit (und ist es zum Teil heute noch) auch das Verlangen nach spontanen Ausrufen wie “BRAVI! EVIVVA!” als stärkste Bekundung des Einverständnisses.

Zumindest “BRAVI!” hätten wir am Donnerstag nach jedem Satz der sechs Concerti und der Sinfonia rufen können, so vollkommen war das Spiel der Mannheimer in seiner feinst nuancierten Dynamik, seiner ebensolchen Varianten der Tonbildung und seiner makellosen stilistischen Homogenität. Kurzum: Was wir hier hörten, war das Höchstmaß an Spielkultur, auch an technischer, und die Frage wird sein, ob es dem Ensemble gelingen wird, dieses bewundernswerte Können vor dem Abgleiten in die perfekte Routine zu bewahren,wenn vereinzelt konnte man denken, dass die Selbstverständlichkeit, mit der dynamische oder agogische Details ausgespielt wurden, bereits das Resultat automatisierter Reflexe seien. Dennoch: Es war phänomenal!

Phänomenal und sprachlich auch mit Superlativen nicht zu fassen war das Spiel der Blockflötistin Dorothee Oberlinger. Man muss es gehört haben, weil alles Beschreiben darunter bleibt. Man hätte nach jedem Satz “BRAVA!” rufen müssen, und vielleicht wäre selbst das nach Vivaldis Concerto “La Notte” im Hals stecken geblieben, dermaßen vollendet waren die Varianten der Tonbildung, inklusive der atemberaubenden Staccati in den “Fantasmi”, ihr tiefes Empfinden der theatralischen dolcezza in den beiden Largi, schließlich ihre nicht mehr zu steigernde technische Perfektion im Schlussallegro, das wohl absichtlich auf ein Presto getrimmt war. Dreimal: BRAVA! Oder auf unsere Art: Enthusiastischer Schlussbeifall.

Mannheimer Morgen

UNGLAUBLICHE BIEGSAMKEIT DES KLANGS

Eine Klasse für sich: Das Barockorchester “La Folia” mit Flötist Maurice Steger überzeugte sein Auditorium im Mozartsaal des Schlosses unter anderem mit Werken von Arcangelo Corelli vollauf. Die Gäste des Konzerts waren von den Darbietungen begreiflicherweise begeistert.

Dem Barockorchester “La Folia” und einem Virtuosen wie Maurice Steger ist es zu verdanken, dass mit alter Musik die Faszination aus fernen Zeiten bis in unsere heutigen Ohren dringt.

EINTAUCHEN IN MUSIKALISCHEN FLUSS

Gleich von Beginn an tauchte man ein in den musikalischen Fluss des Abends, ganz von Arcangelo Corelli (1653 – 1713) bestimmt, lauschte gebannt der Biegsamkeit des Klangs und der in die Melodie- und Begleitlinien eingebauten Ornamentik.

Mit Spannung folgte man dann den Geschichten, welche die Instrumente einander in Corellis Sonaten für Streicher, in seinen “Concerto” für Blockflöte oder Flautino erzählten. Das Publikum erfährt von Maurice Steger, dass Corelli Anfang des 18. Jahrhunderts der Liebling der Londoner Gesellschaft war, trotzdem dieser nie englischen Boden betreten hat.

Seine Violinsonaten trafen jedoch genau den Geschmack der Zeit, so dass sie als Grundlage für verschiedene Bearbeitungen dienten. Viele Komponisten verwendeten seine Musik und drückten ihr mit Variationen und Ornamentierungen ihren eigenen Stempel auf. Francesco Geminiani (1687 – 1762) zum Beispiel schrieb Corellis “La Folia” zu einem Concerto grosso um. Diese wunderbare Musik brachte der Gast des Abends nach originalen und handschriftlich überlieferten Umschreibungen zum Klingen. Mit feinsinnigem Humor zaubert Maurice Steger schnelle, spritzige, feurig bewegte Töne aus der Blockflöte hervor.

SPIELFREUDE UND GUTE LAUNE

Er ist mit vollem Körpereinsatz dabei, mit Bewegungen, die sein Gespür für Witz, seine Musikalität unterstützen.

Das gefiel, begeisterte auch die ganz jungen Zuhörer. Dazu bestritt das Barockorchester “La Folia” unkonventionell lebendig Corellis Kompositionen, es steckte das Publikum förmlich mit seiner Spielfreude und guten Laune an. Auch die Eigenheiten jedes einzelnen Instruments des Ensembles kamen äußerst prägnant zum Ausdruck – der Violine, mit außergewöhnlicher Virtuosität von Robin Peter Müller und Vladislav Belopukhov gespielt, der Viola, deren weicher Klang Pia Grutschus zur Geltung brachte, des Violoncellos, meisterhaft bedient von Jonathan Flaksman, des Kontrabasses, mit dem Sophia Scheifler den angenehmen klanglichen Hintergrund gestaltete, des Cembalos, in beglückender Weise zart in den Gesamtklang integriert von Manuel Dahme, der Theorbe und Laute, bei denen Vanessa Heinisch die Stärke der leisen Töne bewies -, zusammen klangen sie jedoch beeindruckend homogen und trotzdem immer wieder überraschend neu. Dass sie nicht nur Corelli spielen können, bewiesen der Blockflötist und das Barockorchester mit der Zugabe “La Notte” von Vivaldi.

Die Schönheit der Nacht, in der auch unbekannte Gefahren lauern, hat der Komponist wunderbar in Musik umgesetzt.

Da sind zum einen die herrlich verspielten, atemberaubenden Blockflötentöne des Solisten Steger, zum anderen die aufgewühlten rauen Streicherklänge. Für diese wirklich virtuose Darbietung spendet das begeisterte Publikum herzlichen Applaus.

BASLER ZEITUNG

Lebendig reiche Barockmusik

“Mit dem La Folia Barockorchester und dem Violoncellisten Jan Vogler hatte die AMG zu einem Fest der Sinne geladen.

Das La Folia Barockorchester, das im Rahmen einer von der AMG organisierten Sonntagmatinee im grossen Musiksaal des Stadtcasinos Basel ein Konzert gab, bezeichnet sich selber als «Originalklang-Orchester». Was die überragende Interpretationspraxis dieses 2007 in Mannheim gegründeten rund 10-köpfigen Ensembles unter der Leitung des Konzertmeisters Robin Peter Müller betrifft, gibt es an diesem Anspruch nicht den geringsten Zweifel wie dieses hochstehende Konzert bewies.
Zugegeben, kleinlich Mäkeleien eines Musikkritikers, die an der Tatsache nichts ändern, dass das Folia Barockorchester mit seiner historisch orientierten Musikpraxis auf höchstem Niveau bewies, wie unglaublich lebendig, reich und vor allem aktuell Barockmusik sein kann. Mit lebhafter rhythmischer Plastizität und einer reich abgestuften Variabilität der Dynamik gestaltete das Orchester den ersten Satz von Georg Friedrich Händels (1685-1759) Concerto grosso F-Dur op. 3 Nr. 4 HWV 315
 aus. Der zweite im Allegro gespielte Fugen-Satz durchdrang das Ensemble mit flutendem Wogen, wobei die einzelnen Instrumente die thematischen Partikel Schaumkronen auf Wellen gleich elegant aus der musikalischen Flut glitzernd aufblitzen liessen. Mit exquisiter Elegie wiederum wurde das folgende Adagio ausgestaltet und die beiden abschliessenden Allegros wurden mit einer treibenden Verve gespielt, die selbst erfahrenen Jazz- oder Rockbands nicht rassiger hingekriegt hätten.
Höhepunkt dieses erstrangigen Konzerts aber bildeten zwei Violoncellokonzerte von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), die das La Folia Barockorchester gemeinsam mit dem Cellisten Jan Vogler zur Aufführung brachte. Zu Unrecht bekommt man diese Werke fast nie zu hören wie schon wenige Takte des Concerto für Violoncello in a Wq 170
 bewiesen, die vom Orchester mit hinreissender Verve interpretiert wurden. Vor musikalischen Ideen überschäumend schillert die Musik Bachs assoziativ durch wechselnde Stimmungsbilder mit einem Reichtum, die einst sogar die Bewunderung Mozarts erweckt hatte.
Ohne sich im ersten Satz vom nervös agierenden Orchester aus der Ruhe bringen zu lassen, sang Cellist Jan Vogler seine Partie kontrastreich aus, um anschliessend mit breitem Strich und ausgefeilter Agogik den zweiten Andante-Satz zu zelebrieren. Im dritten Allegro assai zu spielenden Satz schliesslich entspann sich ein Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester, der sich zu einem energiegeladenen Fest voller dynamischen Finessen entwickelte. Vor soviel Können neigt der kleinliche Kritiker ehrfürchtig sein Haupt!”